Musik verbindet: VOCES8 über ihre Geschichte, ihren Bezug zu Millstatt und die Besonderheiten der Musikvermittlung

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Musik verbindet: VOCES8 über ihre Geschichte, ihren Bezug zu Millstatt und die Besonderheiten der Musikvermittlung

Ein Musik-Blog mit vielen Facetten. Willkommen zum ersten Beitrag, im Fokus dessen das stimmgewaltige Vokalensemble „VOCES8“ steht.

Kennen Sie dieses außergewöhnliche Gefühl, nachhaltig durch Musik, die wahrhaftiger kaum sein könnte, berührt zu werden? Mir und bestimmt vielen anderen Konzertbesucher:innen erging es am vergangenen Sonntag so, als Andrea Haines, Molly Noon (Sopran), Katie Jeffries-Harris (Alt), Barnaby Smith (Altus & Künstlerischer Leiter), Christopher Moore (Bariton) und Jonathan Pacey (Bass) der Formation „VOCES8“ mit William Byrds „Haec Dies“ den Konzertabend, der unter dem Titel „Stardust“ stand, einleiteten. Das Ensemble brilliert durch Klarheit im Ausdruck, außergewöhnlicher Balance und schafft es auf besondere Art und Weise, das Publikum zu erreichen. Die spannungsgeladene Stille, hervorgerufen durch die aufmerksamen Zuhörer:innen, die in der Stiftskirche Millstatt Einzug hielt, war elektrisierend. Der US-amerikanische Violinist, Bratschist und Dirigent Yehudi Menuhin hat treffend das zu Papier gebracht, was an diesem Konzertabend bestimmt vielen widerfahren ist: „Die Musik spricht für sich allein. Vorausgesetzt, wir geben ihr eine Chance.“ Die Interpretationen von „VOCES8“ sprechen jedenfalls für sich. 14 Werke gab das Ensemble zum Besten, die Bandbreite reichte von Heinrich Schütz` „Selig sind die Toten“ über „I Won’t Dance“ in einer Bearbeitung von Jim Clements bis hin zu Kevin Allens „O Sacrum Convivium“.

Gemeinsam eintauchen
Es ist ein Herzensprojekt unseres Vereins, die außergewöhnlichen musikalischen Momente, die in Verbindung mit unseren Künstlerinnen und Künstlern stehen, für Sie in unserem BLOG festzuhalten. Unter dem Titel „Musik verbindet“ tauchen wir mit Ihnen zwei Tage nach unserem Auftaktkonzert 2022 in die Welt des universell-bekannten Vokalensembles „VOCES8“ ein. Im Interview geben die Sängerinnen und Sänger Einblicke in die Geschichte ihres Ensembles, sprechen über die Besonderheit der Region rund um den Millstätter See, über Traditionen und Werte und über ihren Zugang zur Musikvermittlung.

Liebe VOCES8-Sängerinnen und -Sänger, wie habt ihr zueinander gefunden, was ist die Geschichte hinter eurer Geschichte und was zeichnet euer Ensemble besonders aus?
„Unsere Anfänge reichen zurück auf das Singen im Chor. Die Gründungsmitglieder von VOCES8 haben sich in einem Jugendchor kennen und schätzen gelernt. Im Ensemble starteten wir als eine Gruppe von Freunden, die die Leidenschaft zum Singen miteinander verbunden hat. Im Jahr 2005/2006 stellten wir uns einigen Wettbewerben in den verschiedensten Ländern Europas, wo wir erste Erfolge verbuchen konnten. Das war sozusagen der Grundbaustein für VOCES8. Unser Ensemble zeichnet sich bestimmt dadurch aus, dass wir alle grundverschieden sind, unterschiedliche Fähigkeiten haben, jeder dadurch einen besonderen Beitrag zum Ganzen leistet und dasselbe Ziel verfolgen. Wir alle bringen verschiedene gesangliche Qualitäten mit und haben unterschiedliche musikalische Interessen – das trägt auch zur Programmauswahl bei.“

Wir möchten dem Publikum die verschiedensten Welten und Zugänge eröffnen. Umso vielseitiger das Programm ist, desto größer ist die Chance, das Publikum mit neuen Genres und Kulturen zu verbinden.

Eure Musik berührt und begeistert Menschen weltweit. Was ist das Besondere daran, eine professionelle Gesangskarriere einzuschlagen?
„Einerseits ist es wunderbar, an den verschiedensten Orten der Welt Kunst und Kultur in ihrer Vielseitigkeit kennenlernen zu dürfen. Als professioneller Sänger bzw. professionelle Sängerin darf man die Menschen mit Freude durch Musik beschenken, das ist wirklich besonders für uns. Zu sehen, dass wir durch unsere Musik Akzente im Leben anderer Menschen setzen und ihren Alltag ein Stück weit bereichern dürfen, erfüllt uns als Ensemble. Vor allem in den letzten Jahren haben wir das Feedback erhalten, dass unsere Musik die Leute durch die Pandemie positiv begleitet hat. Ein wertvolleres Kompliment kann man wohl kaum erhalten, als jenes, Freude und Hoffnung durch die eigene Musik zu stiften.“

Ihr seid bereits zum zweiten Mal in Millstatt aufgetreten. Was sind eure Eindrücke von Kärnten und wie nehmt ihr die Region rund um den Millstätter See wahr?
„Wir haben nur die besten Erinnerungen an Millstatt. Schon während der Anreise haben wir uns auf den wunderschönen Millstätter See und die Stiftskirche gefreut. Als wir im Jahr 2019 bei den Musikwochen Millstatt zu Gast waren, standen wir mitten in den Vorbereitungen zu unserem ersten Auftritt im Rahmen der ‚BBC Proms‘, das Programm dazu haben wir erstmals in der Stiftskirche aufgeführt, deshalb ist unsere Verbindung zu Millstatt eine Besondere. Für uns ist Kärnten an sich ein eindrucksvolles Bundesland, schon allein wegen der vielen Traditionen.“

Euer Repertoire ist sehr vielseitig. Warum ist es euch so wichtig, die verschiedensten Genres musikalisch abzudecken?
„Wir möchten dem Publikum die verschiedensten Welten und Zugänge eröffnen. Umso vielseitiger das Programm ist, desto größer ist die Chance, das Publikum mit neuen Genres und Kulturen zu verbinden. Für uns ist es auch wichtig, jede Stilistik mit ihren Besonderheiten gut zu vermitteln. Denn Pop, Jazz und Volksmusik entsprechen der Wertigkeit der klassischen Musik. Auch durch die verschiedenen Klangfarben und Gesangstechniken möchten wir die Zuhörer:innen unterhalten und mitreißen. Im Grunde ist es die Mischung aus all dem. Unsere Programmbandbreite erstreckt sich von Interpretationen der Band Metallica bis hin zu Werken von Hildegard von Bingen.“

Ein besonderes Steckenpferd von euch ist auch die Musikvermittlung. Warum ist es eurer Meinung nach so wichtig, die Welt der Musik Kindern und Jugendlichen zu unterbreiten?
„Musik lehrt dir so viele großartige Kompetenzen, wie Teamwork, man lernt beispielsweise Wissenswertes rund um den Kernbereich der Architektur kennen, weil man in besonderen Spielstätten performt und man darf in das umfassende Metier der Kunst eintauchen. All diese Dinge öffnen Kindern und Jugendlichen eine ganz neue Welt und Perspektive. Uns ist es wichtig, auch den Weg für die nächste Generation zu ebnen, deshalb betreiben wir nachhaltig Musikvermittlung. Weltweit beobachten wir, dass Musik im Unterrichtsalltag wenig Platz findet. Das ist natürlich auch eine Frage der Ressourcen, des Geldes und der Zeit in den Schulen. Wir sehen uns hier in der Verantwortung, durch unsere Musikvermittlungsprojekte nachhaltig einen Beitrag zu leisten, um diesen Prozess voranzutreiben und zu unterstützen. Wir alle haben eine Stimme, die genutzt werden sollte. Kunst und Kultur löst unbeschreiblich viel in uns aus und schafft es auf spezielle Weise, Kindern und Jugendlichen neue Möglichkeiten zu eröffnen, um sich auszudrücken und zu verwirklichen.“

Zum Thema nächste Generation: Gibt es bereits die „Next Generation“ VOCES8?
„In England besteht eine sehr starke Tradition rund um das Gesangswesen. Wir freuen uns darüber, dass neue Ensembles nachfolgen, deshalb haben wir auch eine Stiftung ins Leben gerufen, die besonders talentierte Sängerinnen und Sänger fördert. Wir führen ein Programm in England mit acht Talenten und ein weiteres in den USA mit zwölf Nachwuchssänger:innen.“


Fotocredit: Jo Hermann

Word-Rap:

Musik bedeutet für uns… Gemeinschaft, Menschlichkeit, Ausdruck, Emotionen und Verbindung
Unser typisches Ritual vor jedem Auftritt ist… der „circle of love“. Ungefähr fünf Minuten vor dem Konzert stellen wir uns im Kreis auf wo jeder von uns eine Aussage rund um das Programm trifft. Das können, je nach dem, persönliche Assoziationen oder musikalische Statements sein
Erfolg bedeutet für uns… jemanden zu bewegen, durch unsere Musik Selbstbewusstsein in den Menschen auszulösen und Respekt
Zuletzt gelacht haben wir… beim Konzert in der Stiftskirche

Wir freuen uns darauf, Sie regelmäßig mit News und Eindrücken rund um die Musikwochen Millstatt versorgen zu dürfen!
Herzlichst, Stefanie Glabischnig

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Concilium musicum Wien
"Venezianisches Festkonzert"

Christoph Angerer: Violine & Viola D´Amore
Armin Gramer: Countertenor
Peter Frisée: Cembalo
Milan Nikolić: Violine
László Ábrahám: Viola
Bernhard Aichner: Violoncello
Damián Posse: Kontrabass

Am 12. Juli musiziert das Das „Concilium musicum Wien“ unter dem Titel „Venezianisches Festkonzert“ und bringt mit seinen abwechslungsreichen Programmen wertvolle Musik aus den Archiven in der Stiftskirche zum Klingen.

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